Forschungsprogramm

Überblick Forschungsprogramm

Das Ziel unserer Arbeit in der Kolleg-Forschungsgruppe Cinepoetics ist es, die Poiesis des Filme-Sehens theoretisch und methodologisch zu erfassen und in ihren Implikationen zu beschreiben. Wir gehen von der These aus, dass die konkreten Schemata des Wahrnehmens, Fühlens und Denkens, mit denen wir Filme erfahren und verstehen, immer erst in der Interaktion zwischen den audiovisuellen Bildern und einem verkörperten Sehen und Hören entstehen. Indem wir die Wiederholung, Abwandlung, Durchkreuzung dieser Schemata untersuchen, die wir als Modulationen der Zeitlichkeit und Expressivität der Bilder fassen, wollen wir einen genuinen Diskurs des Denkens in filmischen Bildern greifbar machen – einen Diskurs, der sowohl politische als auch historische Effekte zeitigt.

Dieser Grundfrage nach der Poiesis des Filme-Sehens und dem Diskurs filmischer Bilder wollen wir in verschiedenen Richtungen nachgehen, zu denen wir uns jeweils die Expertise von Kollegen und Kolleginnen aus der Film- und Medienwissenschaft, aber auch aus der Psychologie und der Linguistik, der Philosophie und der Literaturwissenschaft aber auch künstlerisch Schaffende einladen. Der Kern der Arbeit besteht in der kontinuierlichen Auseinandersetzung der Forschungsgruppe (die Sprecher und Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) mit den Beiträgen der Fellows und Gäste sowie den Lektüren, Sichtungen und Vorträgen der jeweiligen Forschungsschwerpunkte.

Die individuellen Arbeiten und die gemeinsamen Veranstaltungen zielen alle darauf, Dimensionen der Poiesis des Filme-Sehens und dem Diskurs filmischer Bilder genauer in den Blick zu nehmen. Das sind:

1.)   Die theoretischen und methodischen Modelle, mit denen die Interaktion mit den filmischen Bildern als Prozess der Sinn- und Bedeutungsgenerierung, als Hervorbringung von Subjektivitätseffekten beschrieben werden kann.

2.)   Die Effekte der Gemeinschaftsbildung, die sich in der Poiesis des Filme-Sehens als einem Machen von Formen geteilter Erfahrung, als einem Modus des pluralen Denkens analysieren lassen.

3.)   Die Hervorbringung eines Raumes historischer Erfahrung, in dem sich die unterschiedlichen Poetologien audiovisueller Bilder verzweigen und verbinden und so ein Denken des Geschichtlichen ermöglichen.

Diese drei Dimensionen bearbeiten wir in einzelnen, aufeinander aufbauenden Forschungsschwerpunkten: Begonnen haben wir mit den theoretischen und methodischen Modellen. Diese haben wir anhand des paradigmatischen Falles der filmischen Metaphorisierungen in den Blick genommen. Daran schloss die Auseinandersetzung mit Fragestellungen an, welche das Verhältnis zwischen Genrepoetik und der affektiven Dimension filmischer Bilder fokussierten, bevor historische und aktuelle Konzepte von Poiesis, Poetik und politischer Praxis im Zentrum standen. Zuletzt waren die geschichtsphilosophischen Grundlagen einer Rede von historischer Erfahrung Forschungsgegenstand, ebenso wie künstlerische Praxen historischer Erfahrung.