Cinepoetics Lectures

Als besonderes Format der Kolleg-Forschergruppe stehen die Cinepoetics Lectures für spannende Vorträge international renommierter ForscherInnen, die mit uns in enger Zusammenarbeit zu Poetologien audiovisueller Bilder forschen. Neben genuin filmwissenschaftlichen Positionen spielen Einflüsse aus verwandten Geisteswissenschaften, wie etwa der Kunst- und Medienwissenschaft, eine prominente Rolle. Die Cinepoetics Lectures finden in Kooperation mit dem Kino Arsenal statt und sind kostenlos. Der Eintritt zum Filmscreening, das den jeweiligen Vortrag begleitet, orientiert sich an den üblichen
Preisen des Kinos.

Cinepoetics Lectures

Aktuelle Cinepoetics Lectures

Die Cinepoetics Lectures des Sommersemesters 2018 befassen sich mit der Räumlichkeit von historischer Erfahrung. Wie lässt sich das Denken filmischer Bilder, die Poiesis des Filme-Sehens, als Konstruktion eines solchen Raumes historischer Erfahrung fassen? Die Vorträge von Erhard Schüttpelz (Universität Siegen) und Heide Schlüpmann (Goethe-Universität Frankfurt) beschreiben dabei spezifische Konstruktionsweisen dieser filmischen Erfahrungsräume. Die für Cinepoetics zentrale These, dass sich Poetiken filmischer Bilder als eine Vielfalt unterschiedlicher Weltversionen verstehen, soll mit den Thesen der Vortragenden abgeglichen und in der Diskussion weiter gefestigt werden.

Am 28.05. widmet sich Erhard Schüttpelz dem Wesen der Ethnographie und ihrer filmischen Verfertigung. Als Experte für postkolonialistische Theorie, greift er in seinem Vortrag Mai 1968 und die Umkehrung des ethnographischen Blicks auf das Werk des Regisseurs Jean Rouch zurück. Dessen Film Petit à Petit (1971) hinterfragt ethnographische Forschungsverhältnisse auf kritisch-humoristische Weise, anhand derer Schüttpelz die weitgreifenden Theorien der Ethnographie pointiert diskutiert und in den Forschungszusammenhang einordnet.

In ihrem Vortrag am 09.07. hält Heide Schlümann ein Plädoyer für das Kino selbst. Die Kuratorin und Expertin für frühes Kino blickt in ihrem Vortrag Raumgeben auf das gegenwärtig zu oft vernachlässigte Kino und fragt danach, was wir im Kino suchen. Schlüpmann ruft Kinotheorie-Ansätze aus den 1970ern und -80ern wieder auf und fügt ihnen damals Übergangenes hinzu – etwa einen geschichtlichen Zusammenhang zwischen dem privaten Raum und dem des Kinos. Dabei ergänzt sie ihre Beobachtungen mit dem Filmbeispiel Kumar Talkies (2000), das indische Kinokultur in den 1990er Jahren thematisiert.

Wir freuen uns sehr, diese zeit- wie filmgeschichtlich prägnanten Topoi – Paris ’68 und Indien in kultureller Neuverortung – in Bezug auf unser Verständnis eines filmisch konstruierten historischen Erfahrungsraum zu diskutieren. Wie immer sind die Cinepoetics Lectures kostenlos, für das Filmscreening gelten die jeweiligen Preise unseres Kooperationspartners, des Kino Arsenal.

Übersicht Cinepoetics Lectures Sommer 18_550h